ZIEL ERREICHT

Sie kennen ihn bestimmt vom Sehen oder dem ein oder anderen Plausch: Jörg Petersen verkauft seit vielen Jahren die Hamburger Obdachlosenzeitschrift Hinz&Kunzt vor Aldi und dem EDEKA in Hittfeld.



„Ich wollte unbedingt etwas mit Menschen machen – endlich hat es geklappt! Ich freue mich sehr auf meine neue Aufgabe“

Der gebürtige Ostfriese brach mit 18 Jahren seine Lehre ab, floh nach einem Streit mit dem Vater aus seinem Elternhaus und lebte einige Zeit auf der Straße, bevor er zehn Jahre als Briefzusteller bei der Post arbeitete. Dann kam erneut ein Tief: er machte Schulden, verlor seine Wohnung und seinen Job. Als Obdachloser verbrachte Jörg dann einige Jahre in Berlin bevor er Mitte der 90er nach Hamburg kam und dort seit 2011 das Straßenmagazin Hinz&Kunzt verkauft. Zunächst in der Hamburger Innenstadt – mittlerweile seit fünf Jahren in Hittfeld. Hier hat er sich richtig gut eingelebt, pflegt Freundschaften und hat „endlich ein Zuhause gefunden“. Und seitdem ist viel passiert: 2016 pilgerte Jörg gemeinsam mit 4000 anderen Armen aus ganz Europa nach Rom und erhielt eine Audienz beim Papst. Diese einmalige Erfahrung trägt er immer noch im Herzen mit sich. Sie hat ihm „Mut gegeben, weiterzumachen“, sagt er. Und dieser Mut zahlt sich aus: Jörg hat inzwischen auch ein Buch geschrieben und eine Ausbildung zum Alltagsbetreuer im Hittfelder Haus Kirchberg begonnen. Damit ist für den 48-Jährigen ein echter Herzenswunsch in Erfüllung gegangen: „Ich wollte unbedingt etwas mit Menschen machen – endlich hat es geklappt! Ich freue mich sehr auf meine neue Aufgabe“, strahlt er. Aber keine Angst, sie werden ihn nicht aus den Augen verlieren: „Ich stehe trotzdem weiter vor Aldi und EDEKA, da ich mir mit dem Erlös der Hinz&Kunzt- Hefte meine Ausbildung finanziere.“



Dort trifft er auch immer wieder auf Freunde und Bekannte. „Es ist sehr wichtig für uns Straßenverkäufer, wenn Menschen das Gespräch suchen“, verrät Jörg. „Das hat mir hier in Hittfeld sehr geholfen. Die Einstellung zum Leben ändert sich durch den regel- mäßigen Kontakt beim Verkauf.“ Ein gutes Beispiel dafür ist Renate Austinat, die gerade vorbeikommt. „Wir kennen uns schon seit 2 Jahren und haben sogar Telefonnummern ausgetauscht. Sie ist gerade von Maschen nach Buchholz gezogen“, weiß Jörg zu berichten. Und warum kauft sie jetzt in Hittfeld ein, fragen wir? „Ich bin gerne unterwegs und treffe nette Menschen. Es freut mich immer, wenn ich sehe, dass es Jörg gut geht.“ Wenn Sie ihn beim nächsten Einkauf in Hittfeld sehen, sagen Sie unbedingt Hallo – Jörg freut sich garantiert!

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